Presse
Lustspiel "Hair und Haarmonie"
Proben sind eine haarige Angelegenheit
Das Theater Seitensprung probt für sein aktuelles Lustspiel "Hair und Haarmonie", das komplett in einem Friseursalon im Charme der 60er Jahre spielt. Und das ist eine ganz schön haarige Angelegenheit. „Huch!“ Ein Ruck und die alte Trockenhaube rutscht Tabitha Koch übers Gesicht. Auf Situationskomik ist das Theater Seitensprung zwar programmiert, doch dieser Gag war eher unfreiwillig. Gelacht wird trotzdem. „Jetzt hast du Schuppen von 30 Jahren auf dem Kopf“, witzelt Regisseur Frank Wagner.Es ist Probe des neuen Stücks „Hair und Haarmonie“, das komplett in einem Friseursalon im Charme der 60er Jahre spielt. Ein paar Requisiten wie Trockenhaube und brauner Friseurstuhl stehen schon in dem Probenraum in Dortmund-Aplerbeck, in dem das Ensemble jetzt eine feste Bleibe hat.
Andere Atmosphäre
„Hier können wir im Bühnenbild üben, das ist eine ganz andere Atmosphäre“, freut sich Wagner. „Das erste Mal hatte ich richtig Herzrasen“, gesteht Heike Urra. Tatsächlich – ein Hauch von Theater liegt in der Luft, auch wenn Kostüme, Maske und Feinschliff der Möblierung noch fehlen. Scheinwerfer gehen an. „Wir beginnen auf Seite 31“, läutet Frank Wagner die Probe ein. „Und ich hab‘ extra den Schluss gelernt“, schimpft Heike Urra. Es wird gelacht, wie häufig an diesem Abend. Das Theater Seitensprung ist mit Elan und Spaß dabei. Den soll auch das Publikum bei den Aufführungen im Dezember haben. „Es ist schwerer, 750 Leute zum Lachen zu bringen als zu schocken“, weiß Wagner. Kuss, Knalleffekt und komische Verwicklungen, das von Tabitha Koch und Klaus Ahmann selbst geschriebene Lustspiel „Hair und Haarmonie“ bietet alles, was einen amüsanten Abend garantiert. Der Friseursalon von Mutter Ilse (Heike Urra) und Sohn Hubert (Mike Wiegreve) ist Treffpunkt in der Zechenkolonie. Während der Sohn neuen Schwung in den Laden bringen will, möchte die Witwe das Andenken an ihren Mann erhalten. Hausmeister Erwin (Klaus Ahmann) steht ihr dabei zur Seite. Gibt es die Chance auf ein neues Geschäftsmodell?
Ein Stück mit politischem Touch
Lehrmädchen Cindy (Maria Hanke) und Ilses Freundin Martha (Maria Schwarzner) mischen mit. Bürgermeisterin (Martina Sommer) und Lola von den Grünen (Anja Grigoleit) sowie Biene (Tabitha Koch) und der äußerlich rechtsextrem wirkende Hermann (Dietmar Krumhus) geben dem Stück sogar einen politischen Touch. Ansonsten ist jede Menge Chemie im Spiel, auch zwischen den Figuren. Zweieinhalb Stunden lang mit drei kleinen Pausen fühlt sich ein Teil der Truppe in die Rollen ein. Vieles wirkt perfekt, an manchem will Frank Wagner noch feilen. Gesprochen wird in feinstem Ruhrpottslang mit „datt“ und „watt“. Nur Hermann, der moderne, bemüht sich um gewählten Ausdruck. Brandneues Bühnenbild Noch acht Abend- und zwei Tagesproben, dann heißt es „Vorhang auf“ im Heinz-Hilpert-Theater.
Brandneues Bühnenbild
Die Hobby-Mimen bringen ein brandneues Bühnenbild mit, das Thomas Koch und Jan Mengelkamp gebaut haben. Dennis Grosche zeichnet für den technischen Ablauf verantwortlich, Souffleuse Bettina Redmann ist für alle Fälle zur Stelle. Mit drei Aufführungen wird das Theater Seitensprung seine große Fangemeinde erheitern. Und dann bleibt hoffentlich auch die alte Trockenhaube in der richtigen Position.
Das neue Lustspiel „Hair und Haarmonie“ wird am 16., 17. und 18. Dezember im Heinz-Hilpert-Theater aufgeführt. Der Kartenvorverkauf startet am 7. November.
Quelle: RuhrNachrichten vom 14.10.2011
Burghotel Schloßhof (WR/WAZ Lünen - Kritik vom 28.04.08)
!! Demnächst hier die Kritik unseres letzten Stücks !!
Theater "Seitensprung" überzeugt mit der Premiere und
Uraufführung von "Burghotel Schloßhof"
Von Geistern und Heiratsschwindlern
von Diethelm Textoris
Lünen. "Sie erleben heute nicht nur eine Premiere, sondern gleichzeitig auch eine Uraufführung." So rückte die sichtlich nervöse Autorin und Regisseurin Evelyn Köster am Freitagabend im Hilpert-Theater ihr Stück "Burghotel Schlosshof" bei den etwa 500 Zuschauern ins rechte Licht.
Der Inhalt des Stücks ist schnell erzählt: Direktor Heimwald Fröhlitsch (Dietmar Krumhues) muss dem neuen Eigentümer, der Finanz- und Bilanz AG, innerhalb von 10 Tagen nachweisen, dass das marode Hotel rentabel zu führen ist, sonst droht der Abriss. Damit beginnen die Verwicklungen für die Akteure des Theaters "Seitensprung".
Heike Urra agiert überzeugend als schwerreiche Übermutter Elvira von Zickenmeyer (Nomen est Omen), die ihren 35-jährigen Sohn Rüdiger noch gängelt. "Eine Mutter weiß immer, welche Frau die Richtige für ihren Sohn ist." Dirk Quernheim als Sohn gelingt es, die Wandlung vom hilflosen Zögling zum unabhängigen Mann, der sich seine Frau selbst aussucht, mit allen tragikomische Zügen rüber zu bringen. Seine "Angebetete" Kirstin Lehn zeigt in der Rolle der Michaela Grauer, wie sich eine selbstbewusste Frau als schüchterne, graue Maus tarnen kann, um ihre Ziele zu erreichen. Oder sie verwandelt sich in eine sexhungrige Sirene, wenn sie die falschen Tropfen in ihren Kakao gemischt bekommt.
Apropos Sex-Appeal: Den transportiert Tabitha Koch mit viel Mut als Heiratsschwindlerin Tonja Stüberle im XXL-Pack auf die Bühne. Sei es durch ihr häufig wechselndes, oft knappes Outfit, sei es durch ihre aussagekräftige Mimik und Gestik. Doch stets ist auch umwerfende Komik dabei. Köstlich ist ihr asynchroner Tanz mit dem Nichttänzer Andre Faber (Frank Wagner), ihrem wortgewandten Gegenspieler als Heiratsschwindler. Oder ihr Umgang mit dem Deospray, mit dem sie nicht nur die Achselhöhlen "imprägniert", sondern nach kurzem Lüften des Rockes auch noch weitere Körperteile bedenkt. Ganz stark ist die Szene, in der sie sich mit der Empfangsdame Pitrella Partinowa (Martina Sommer) besäuft. Die beiden Darstellerinnen meistern die Szene nahezu professionell, sind komisch ohne zu überzeichnen. Dazu liefern sie die passenden Sprüche: "Wo früher meine Leber war, ist heute eine Minibar" oder "Der Kopf tut weh, die Füße stinken, höchste Zeit, mal was zu trinken." Dagegen ist die Rolle der mit dem Hotel gealterten Barkeeperin Hannelore Prügelhausen (Anja Grigoleit) nahezu bieder angelegt.
Einen Hauch vom epischen Theater im Brechtschen Sinne hat Evelyn Köster in Gestalt der Schlossgeister (Mary Schwarzner und Klaus Ahmann) eingebaut. Für die Lebenden nicht sichtbar, kommentieren sie mit den Erfahrungen von Jahrhunderten und das diesseitige Geschehen. Sogar ein bisschen Beckett ist in Gestalt des "verlorenen Gastes" vorhanden. Gunnar Madeheim verkörpert diesen stets Suchenden und nie Findenden. Schon vor Spielbeginn sucht er im Foyer mit einem schweren Koffer sein Zimmer, in der Pause forscht er nach dem Schwimmbad und auf der Bühne ist er fast stumm, aber immer wieder präsent, ohne die Handlung nur um einen Zentimeter voranzubringen.
Insgesamt gingen die gezeigten Leistungen weit über die eines Amateurtheaters hinaus, was das Publikum begeistert zu würdigen wusste. Das Theater "Seitensprung" hat sich zwar der Komödie verschrieben, doch diese Aufführung hat gezeigt, dass in dem Ensemble durchaus das Potential steckt, irgendwann einmal ein ernstes Stück glaubhaft auf die Bühne zu bringen.
Anja Grigoleit als mit dem Hotel gealterte biedere Bardame Hannelore Prügelhausen kommt mit "geisterlicher" Hilfe von Mary Schwarzner zu neuen Erkenntnissen. (Bild: Diethelm Textoris)
